Getestet: Kann Flixbus-Konkurrent Roadjet überzeugen?

Sicher, nachhaltig und komfortabel: Mit Highspeed Internet, Massagesitzen und großzügiger Beinfreiheit will Fernbusanbieter Roadjet überzeugen und sich auf dem deutschen Markt etablieren. Doch kann das Unternehmen seine Versprechen halten? Wir haben Roadjet getestet!


Vor der Fahrt

Los geht es für mich in Nürnberg – das Ziel ist Berlin. Recht kurzfristig buche ich ein Ticket. Dabei stelle ich erfreut fest, dass diese in den letzten Wochen nicht teurer geworden sind. Die Preise scheinen sich demzufolge nicht flexibel zu verändern. Bei der Platzauswahl erkenne ich, dass für das gleiche Datum lediglich sechs weitere Tickets für die Strecke verkauft wurden und freue mich auf eine entspannte Reise. Bevor es losgeht installiere ich die App von Roadjet. Daraufhin merke ich allerdings recht schnell, dass sie für mich nicht wirklich von hohem Nutzen ist: Ich finde weder eine Funktion um mich einzuloggen noch eine Möglichkeit gebuchte Reisen zu verwalten. Lediglich neue Buchungen können getätigt oder der Fahrplan der Busse eingesehen werden.

Der Fernbus von Roadjet kommt am Busbahnhof in Nürnberg nur wenige Minuten später als geplant an. Anders als bei Flixbus gibt es keine Möglichkeit zu überprüfen wo sich das Fahrzeug gerade befindet. Das Gepäck wird von den Busfahrern verstaut, mein Ticket entwertet. Die automatische Maskenerkennung hat sehr lange gedauert und mehrere Anläufe gebraucht. Die Innengestaltung des Busses empfinde ich als sehr angenehm. Ich frage mich wo die anderen Reisenden bleiben. Nach der Abfahrt stellt sich heraus, dass ich auf der Fahrt nach Berlin der einzige Fahrgast bin. Bei einer zweiten Testfahrt zeigt sich ein ähnliches Muster. Ich bin mir sicher, dass das für das Start-up nicht rentabel sein kann.

„Fernbus-Anbieter Roadjet hat Potenzial. Es bleibt jedoch spannend, ob sich das Start-up in Deutschland langfristig etablieren wird.“

Philipp Scheidig – Digital Executive Editor von LEWK

Die Fahrt

Da ich der einzige Fahrgast bin kann ich eine Vielzahl an verschiedenen Plätzen testen. Meiner Meinung nach sind die besten Sitzplätze A1 und B1 (Oberdeck, vorderste Plätze, links), da man hier die Beine nahezu komplett ausstrecken kann. Der rechte Einzelplatz in der gleichen Reihe (C1) weist die geringste Beinfreiheit aller Sitze im Bus auf, weshalb ich ihn nicht empfehlen kann. Wer unterwegs schlafen möchte ist vermutlich im hinteren Teil des Busses besser aufgehoben. Dort kann man die Scheiben besser abdunkeln.

Unserer Meinung nach befinden sich die besten Plätze im Oberdeck ganz vorne
(A1 und B1) / Bild: LEWK

Leider sind der Boden und die Sitze um meinen Platz nicht sauber. Als es zu regnen anfängt dringt zudem Wasser in den Bus ein. Bei einer zweiten Testfahrt haben wir diese Probleme nicht, weshalb wir hierbei von einem Einzelfall ausgehen. Die Fahrt an sich verläuft ruhig und ohne Probleme. Alle von uns getesteten Verbindungen erreichen ihr Ziel pünktlich oder lediglich mit wenig Verspätung.

Der gebuchte Platz war leider nicht sauber. Bei einer weiteren Fahrt hatten wir hygienetechnisch nichts auszusetzen. / Bild: LEWK

Ausstattung

Entertainment, Highspeed Internet, Massagesitze & Co: Wie gut sind die Features mit denen Roadjet für mehr Komfort wirbt?

Auf seiner Webseite spricht das Start-up von einem „umfangreichen Unterhaltungsprogramm“. Leider musste ich jedoch feststellen, dass dieses nicht auf allen Plätzen reibungslos funktioniert hat. Nachdem ich meinen Sitzplatz zwei mal gewechselt hatte, funktionierte Netflix jedoch die gesamte restliche Fahrt reibungslos. Für Spotify war es auf allen drei Plätzen notwendig einen neuen Account zu erstellen oder sich in einen bestehenden einzuloggen. Eine Funktion zum Abspielen eigener Inhalte habe ich vergebens gesucht – auf der Webseite von Roadjet wird diese explizit erwähnt. Erfreulich war jedoch, dass es zwei Kopfhörerausgänge pro Monitor gibt.

Roadjet garantiert auf seinen Reisen ein kostenloses Highspeed Internet. Eine gute Abdeckung soll durch zwei Router und zwei unterschiedliche Anbieter zu jeder Zeit ermöglicht werden. Auf meinem Laptop funktionierte das Internet auch weitestgehend sehr gut. Leider hat der Internetzugang auf meinem Smartphone (iPhone) kaum funktioniert. Das Signal war nicht nur sehr schwach, das Internet hat sich die meiste Zeit nicht einmal mit dem Gerät verbunden. Bei einer zweiten Testfahrt funktionierte das Internet auf dem Handy gut.

Die Sitze in den Fernbussen von Roadjet habe ich als besonders komfortabel wahrgenommen. Die Beinfreiheit ist mehr als ausreichend und ein wirklicher Vorteil gegenüber anderen Fernbusanbietern. Die Massagefunktion besteht vor allem aus Vibrationen und ist nicht besonders stark. Aufgrund dessen hat sie mich nicht überzeugt.

Weitere Features sind eine Umkleidekabine (zusätzlich zum WC) und ein Snackautomat. Die Preise für Snacks und Getränke sind zwar etwas gehoben aber nicht übertrieben teuer.


Fazit

Lange Busreisen angenehm gestalten – den Ansatz finden wir gut. Gerade mit den komfortablen Sitzen und der Beinfreiheit hat Roadjet uns überzeugt. Die ein oder anderen Features sind allerdings noch etwas ausbaufähig. Die Fahrtpreise sind unserer Meinung nach im Vergleich zu anderen Fernbusunternehmen oder der Deutschen Bahn angemessen. Wir finden, dass Roadjet eine Chance auf dem deutschen Fernbus-Markt verdient hat!


Titelbild: Roadjet
Transparenz: Bei diesem Artikel handelt es sich um keine bezahlte Zusammenarbeit.

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